#011 Hochsensibel und psychisch angespannt - hängt das zusammen?

Shownotes

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Hochsensibilität, Symptome und Selbsttest: In dieser Folge erfährst du, woran du Hochsensibilität erkennst, wie sie sich im Alltag zeigt und welche Herausforderungen und Stärken damit verbunden sind. Ich teile mit dir, warum hochsensible Menschen oft besonders empathisch sind, wie du mit Reizüberflutung umgehen kannst und warum Selbstfürsorge so wichtig ist. Mit einem Selbsttest findest du heraus, ob du hochsensibel bist. Du bekommst praktische Tipps, wie du deine Sensibilität als Stärke nutzen kannst und was du tun kannst, wenn dich Angst, Burnout oder Überforderung begleiten. Höre rein und entdecke, wie du dich besser schützen und dein Leben bewusster gestalten kannst!

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ÜBER DIESEN KANAL:

Ich bin Axel – psychologischer Berater und vorher selbst achteinhalb Jahre in der Angststörung gewesen. Ich spreche über das, was wirklich hilft – nicht als Theorie, sondern aus eigener Erfahrung und aus hunderten Gesprächen mit Menschen, die genauso feststecken wie ich es tat.

Alle Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei akuten Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt oder Therapeuten.

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00:00:00: Fühlst du dich schnell überreizt? Nimmst du Stimmungen intensiver wahr als andere und benötigst häufig Rückzug? Dann könnte Hochsensibilität für dich ein Thema sein. Was bedeutet das für dich? Und was hat es auch für Vorteile? Dazu mehr in dieser Episode...

00:00:32: Denke bitte immer daran, dass die Inhalte dieses Podcasts rein informativ sind, auf meinen eigenen Erfahrungen beruhen und keineswegs eine ärztliche oder therapeutische Behandlung und Beratung ersetzen.

00:01:05: Was sind HSP? Hochsensible Personen sind eine relativ große Gruppe von Menschen. Man spricht mittlerweile von 15–20 %, die besonders sensibel sind. Das ist weder negativ noch positiv, es ist einfach eine angeborene Eigenschaft. Vielleicht weißt du ja auch schon, dass du zu dieser Gruppe gehörst und hast dementsprechend Erfahrung damit gemacht, dass du sensibel bist, dass du Stimmungen etwas intensiver wahrnimmst als andere, dass du vielleicht auch schneller erschöpft bist. Das sind nämlich so typische Formen, die man empfindet, wenn man hochsensibel ist.

00:01:38: In meiner Beratung sind viele Menschen, die von sich selber genau wissen: Ja, ich bin hochsensibel, habe damit meine Probleme, habe aber natürlich auch Vorteile. Doch die erkennen sie oft nicht, weil sie eher unter den Problemen leiden, die damit verbunden sind. Ich möchte dir aber ein kleines bisschen mehr beide Seiten darstellen, vor allem auch, welche Vorteile du hast und wie du das besser nutzen kannst, wenn du ein HSP, eine Highly Sensitive Person, bist.

00:02:10: Aber natürlich auch in Verbindung mit psychischen Krisen: Ist es wirklich so, dass hochsensible Personen eher unter einer Depression, einer Angststörung oder auch einem Burnout leiden können? Das klären wir alles in dieser Folge.

00:02:43: Vielleicht kann man das am besten so beschreiben: Stell dir vor, du bist ein Mensch, der keine Kleidung tragen darf, überhaupt nichts Schützendes, auch keine Sonnenbrille im Sommer, keine Schuhe oder Ohrstöpsel auf einem Konzert – überhaupt nichts, was vor Umwelteinflüssen und -reizen schützt. So ein Mensch würde dann komplett ungeschützt rausgehen, Regen ertragen, Sonnenschein ertragen, durch den Schnee gehen, auf lauten Konzerten sein, den Autolärm ertragen. Er könnte sich nicht hinter einer Maske verstecken oder sonst irgendwelche Schutzmaßnahmen wahrnehmen. Das ist jetzt natürlich sehr überspitzt, aber eine Metapher dafür, wie sich manchmal hochsensible Personen fühlen, wenn sie mit anderen mitgehen, die vielleicht nicht so intensiv fühlen.

00:03:16: Das heißt, diese hochsensible Person ist dann besonders ausgeliefert und leidet im Endeffekt auch an diesen Reizen, die sie viel stärker und intensiver wahrnimmt als vielleicht die anderen Leute, mit denen sie gerade unterwegs ist. Es ist, wie gesagt, eine angeborene Eigenschaft, und diese Eigenschaft ist genauso selbstverständlich, wie manche Menschen eine große Nase haben, etwas kräftiger gebaut sind oder halt schlank. Es ist eine psychische Eigenschaft, die man nicht verändern kann und auch gar nicht verändern muss. Es gibt, wie gesagt, Licht- und Schattenseiten.

00:03:48: Warum genau das so ist, konnte die Wissenschaft bisher noch nicht klären. Es gibt auch nicht wirklich die Definition eines hochsensiblen Menschen, und man ist auch nicht entweder hochsensibel oder nicht hochsensibel, sondern das ist ein Spektrum, auf dem man sich irgendwo befindet. Sagen wir mal, der Brummbär, den überhaupt nichts aus der Ruhe bringt, der kann laute Musik bis zum Umfallen ertragen – oder der fällt gar nicht erst um – und dann gibt es wiederum die Menschen, die beim kleinsten äußeren Reiz Stress empfinden.

00:04:21: Gerade wenn du jetzt auch in diesem Podcast dabei bist, empfindest du wahrscheinlich irgendeine Art von Stress – sei es Angst, Burnout oder auch eine depressive Episode. Dann bist du wahrscheinlich noch einmal mehr gereizt und sensibel. Das ist dann noch mal on top zu deiner eh schon etwas empfindlicheren, hochsensiblen Persönlichkeit.

00:04:54: Bei hochsensiblen Personen ist die Reizverarbeitung einfach stärker und auch schneller. Das Nervensystem reagiert einfach sensibler. Hochsensible Menschen sind besonders empathisch, sie nehmen sehr feine Stimmungen wahr. Also wenn irgendwo gestritten wird oder es Disharmonie gibt, belastet das hochsensible Menschen mehr als andere. Sie nehmen die Zwischentöne und Details einfach stärker und schneller wahr als andere Menschen.

00:05:26: Natürlich hat diese Eigenschaft auch große Vorteile. Wenn du zu den Hochsensiblen gehörst, wirst du das vielleicht auch wissen. Du bist oft künstlerisch talentierter, kreativer, vielleicht besonders interessiert an den schönen Dingen, genießt mehr kleine Dinge wie Blüten im Frühling, das Zwitschern der Vögel oder wenn die Sonne mal scheint. Hochsensible Menschen sind auch mehr mit ihrem Körper verbunden und fühlen mehr nach innen. Das ist grundsätzlich eine wunderbare Eigenschaft, kann ich wirklich nur bestätigen.

00:05:59: Das müssen andere erst einmal lernen, wenn sie in der Krise sind, weil das nämlich eigentlich ein ganz wichtiger und guter Weg ist, auch dort rauszukommen, indem man in sich hineinfühlt. Aber – und jetzt kommen wir zu den Nachteilen und Herausforderungen – hochsensible Menschen fühlen halt einfach stärker nach innen und nach außen. Gerade wenn sie vielleicht mal eine Panikattacke hatten oder mehrere, dann horchen sie immer wieder nach innen, ob da etwas ist, was sich wieder wie eine Panik anfühlt. Das heißt, ständiger Vergleich: Ist das jetzt, was ich da fühle, wie das, was ich früher erlebt habe, als die Panik kam? Das ist dann so eine dauerhafte Angst, die daraus entstehen kann.

00:06:32: Hochsensible Personen fühlen nach innen und nach außen stärker. Sie haben eine deutlich gesteigerte Reizwahrnehmung, auch für laute Geräusche, Verkehrslärm, laute Musik, Kindergeschrei, helles Licht oder stroboskopische Effekte – gerade bei Serien oder Filmen, wenn so viele Informationen, Bild und Ton durcheinander kommen, vielleicht noch mit emotionalen Botschaften gemischt. Die sollen natürlich auch unterhalten und die Menschen in den Bann ziehen, aber es ist eine pure Reizüberflutung für Hochsensible.

00:07:04: Dann kommt dazu, dass sich diese Menschen gerne zurückziehen möchten, und da gibt es Unterschiede: Entweder sie können sich zurückziehen, indem sie gelernt haben, dass das für sie das Beste ist, und sich dementsprechend auch durchsetzen können – auch wenn vielleicht ihr Partner, die Kinder oder andere Menschen momentan gar kein Verständnis dafür haben. Die finden es einfach nicht zu laut oder zu hell oder zu stressig, aber sie können sich nicht in die Lage des Hochsensiblen versetzen.

00:07:37: Das wäre also der positive Weg: Die ziehen sich dann zurück, wenn sie genug haben, und zwar auch rechtzeitig. Dann gibt es aber die Menschen – und das kenne ich allzu gut – die trauen sich das nicht. Die haben ein schlechtes Gewissen oder setzen sich selber unter Druck, indem sie sich sagen: „Stell dich nicht so an, das ist schon nicht so schlimm. Die anderen halten es doch auch aus, du musst da nur durch, und dann kannst du dich danach in Ruhe ausruhen.“ Die liefern sich einfach dieser Reizüberflutung aus, obwohl sie genau wissen, es tut ihnen nicht gut. Im Nachhinein haben sie dann das Nachsehen, weil sie darunter leiden. Dann ist vielleicht der nächste Tag wirklich so, dass sie sich krankschreiben müssen oder zumindest in eine Krise stürzen können.

00:08:10: Ist denn jetzt die Hochsensibilität ein Faktor, dass man schneller in eine psychische Krise rutscht oder überhaupt in eine Depression, Angststörung oder einen Burnout geraten kann? Ich würde sagen: jein. Es gibt Menschen, die hochsensibel sind, aber gut im Griff, indem sie sich einfach selber schützen. Sie haben gelernt, selbst Vorsorge zu treffen, und die sind meiner Meinung nach nicht besonders gefährdet.

00:08:42: Dann aber wiederum, wie ich vorhin sagte, gibt es die Menschen, die nicht auf sich achten, ein schlechtes Gewissen haben, trotzdem immer alles mitmachen wollen, einfach weil sie dazugehören wollen oder weil sie nicht Nein sagen können. Diese Menschen sind natürlich prädestiniert dafür, irgendwann in die Krise zu rutschen. Wenn du dich selber jetzt gerade wiedererkennst, dann ist es allerhöchste Zeit, dass du dein Gewissen ein bisschen zurückfährst und mehr auf dich achtest.

00:09:15: Vielleicht gehörst du aber auch zu den Menschen, die nicht genau wissen, ob sie hochsensibel sind oder in diese Richtung tendieren. Wie gesagt, das ist ja nicht: Man ist oder man ist nicht hochsensibel. Ich habe dazu einen kleinen Selbsttest ausgearbeitet mit ein paar Fragen. Es sind zehn Stück, die ich jetzt nacheinander vorlese, und du schreibst einfach ganz spontan auf: Ja oder Nein. Dann gibt’s eine kleine Auswertung anschließend:

00:09:48: Frage eins: Fühlst du dich schnell überfordert von Lärm, Menschenmengen oder starkem Licht?Frage zwei: Nimmst du feine Stimmungen oder unausgesprochene Spannungen bei anderen sofort wahr?Drittens: Berühren dich Musik, Kunst oder Natur intensiver als andere?Nummer vier: Hast du ein starkes Bedürfnis nach Rückzug und Zeit allein, um wieder runterzukommen?Nummer fünf: Denkst du oft lange und tief über Dinge nach, auch über Alltägliches?Frage sechs: Fühlst du dich schnell gestresst, wenn zu viele Dinge gleichzeitig passieren?Frage sieben: Vermeidest du Gewalt in Filmen oder Nachrichten, weil sie dich zu stark mitnimmt?Achtens: Bist du besonders empfindlich auf Reize wie Gerüche, Geräusche oder Stoffe auf der Haut?Neuntens: Hast du ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden oder tiefes Mitgefühl für andere?Und zu guter Letzt, zehnte Frage: Fällt es dir schwer, dich abzugrenzen oder Nein zu sagen, ohne ein schlechtes Gewissen?

00:10:20: Jetzt zähle, wie oft du „Ja“ gesagt hast – möglichst spontan. Die Auswertung: Klar, je mehr „Ja“, desto hochsensibler bist du wahrscheinlich. Ich habe aber auch eine kleine Skala: Wenn du keinmal „Ja“ bis maximal dreimal „Ja“ gesagt hast, bist du wahrscheinlich eher nicht hochsensibel. 4–6 Ja bedeuten, du hast möglicherweise einige hochsensible Anteile – also so mittel, ich glaube, da zählen die meisten Menschen zu. Wenn du aber sieben- oder mehrmals „Ja“ geantwortet hast, dann spricht vieles dafür, dass du hochsensibel bist. Das ist kein offizieller Test, es geht einfach darum, dass du dich so ein bisschen einschätzt.

00:10:53: Vielleicht erkennst du dich ja wieder, gerade wenn’s um Empathie oder das Gewissen geht – oder was hatten wir noch: dieses „schwer abzugrenzen, Nein zu sagen“ oder halt auch der Rückzug. Ich kenne das auch gut. Ich bin gerne mal alleine, und auch dann kann ich richtig abschalten. Also da erkenne ich mich auch bei den Punkten sehr gut wieder.

00:11:26: Es liegt auf der Hand, was du tun kannst, wenn du hochsensibel bist oder zumindest Anteile davon hast und darüber unglücklich bist und jetzt spätestens an dieser Stelle sagst: Ich liefere mich zu sehr den Reizen dieser Welt und den Wünschen anderer aus, obwohl ich das gar nicht so vertrage wie andere. Es liegt einfach auf der Hand, was du jetzt tun kannst.

00:11:58: Vielleicht nimmst du dir einfach nach dieser Episode noch mal ein paar Minuten für dich und schreibst dir ein, zwei oder drei Maßnahmen auf, die du vielleicht jetzt machen kannst aufgrund dieser Erkenntnisse. Ich denke da an so typische Sachen wie mehr Zeit für dich, mehr Selbstfürsorge, Zeiten, in denen du dich um niemanden anders kümmern musst, wo du wirklich für dich bist, in denen du auch entspannen kannst, richtig runterkommen kannst. Ich weiß, wie anstrengend das ist, wenn man den ganzen Tag unter Menschen ist, immer zuhören muss, immer vielleicht auch aufmerksam sein oder reden oder was auch immer.

00:12:31: Das Nein-Sagen ist ein großes eigenes Thema, dazu mache ich auf jeden Fall auch noch mal eine eigene Podcast-Episode. Der Rückzug – den hatten wir. Das schlechte Gewissen ist auch ein eigenes Thema. Und dann ganz generell: Frage dich selber bei den Erlebnissen, die dich überfordern – wie Filme, Nachrichten oder Konzerte, oder vielleicht auch der Straßenverkehr, der ja auch nicht nur mit Lärm, sondern auch mit vielen Reizen und Aufmerksamkeit verbunden ist: Ist das denn etwas, was du trotzdem ganz gerne machst? Oder machst du’s anderen zuliebe? Ich meine, Straßenverkehr ist ein blödes Beispiel, aber vielleicht gehst du ja viel aus oder auf Konzerte, obwohl du es gar nicht möchtest. Vielleicht ist dir das auch einfach zu laut, zu viele Menschen. Überleg mal, ob das sein muss oder ob das in dieser Häufigkeit sein muss.

00:13:04: Wie gesagt, nimm dir einfach anschließend noch mal ein paar Minuten und mach einen Plan für dich. Eine Idee reicht schon.

00:13:36: Zusammenfassend möchte ich aber noch mal sagen: Wenn du festgestellt hast, ja, du könntest zu den hochsensiblen Personen gehören, dann ist das auch völlig in Ordnung. Die Erkenntnis ist auf jeden Fall schon mal gut. Dann brauchst du grundsätzlich mehr Selbstfürsorge, mehr Rückzug und auch eine gewisse Abgrenzung, weil andere anders ticken als du. Du solltest aber auf keinen Fall vergessen, dass du auch dadurch besondere Gaben hast. Du hast tiefe Kreativität, du kannst sehr empathisch sein, du bist ein sehr guter Zuhörer – das hast du vielleicht auch schon von anderen gehört. Du bist vielleicht ein wahrer Freund oder eine wahre Freundin, und das ist dann aufgrund deiner Sensibilität auch der Fall. Du bist einfach echt, weil du eben auch tiefer empfindest. Also sieh das Ganze auch positiv.

00:14:09: Und jetzt habe ich noch eine Bitte an dich: Ich gehe mal davon aus, du hörst diese Episode, weil du momentan in einer stressigen Situation bist. Du hast vielleicht Ängste oder Erschöpfung oder eine depressive Episode. Dann schreib bitte auf: Was ist dein Ziel? Ja, du könntest denken, das ist doch klar, das ist doch völlig trivial, aber schreib trotzdem einfach mal auf. Warum? Weil ich nämlich schon vermute, was du aufschreibst, und wir wollen uns dann in der nächsten Podcast-Episode nämlich dieses Ziel mal anschauen und warum das, was du jetzt gerade aufgeschrieben hast, vermutlich dir im Weg steht und du über dieses Ziel noch einmal nachdenken solltest. Sei gespannt, wir reden in der nächsten Episode drüber. Bis dann.

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