#016 Mit Angst nicht allein: Die Vorteile, sich anderen anzuvertrauen

Shownotes

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Angststörung, Panikattacken und Erschöpfung: In dieser Folge erfährst du, warum es so wichtig ist, offen mit deinem Umfeld über deine Ängste, Panik oder Burnout zu sprechen. Ich teile mit dir zwei zentrale Gründe, warum Ehrlichkeit dir helfen kann – und wie du dadurch echte Entlastung und Verständnis erfährst. Du bekommst persönliche Einblicke, praktische Tipps und erfährst, wie du den ersten Schritt machst, ohne dich zu überfordern. Hör rein und finde heraus, wie du dich selbst und andere entlastest!

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ÜBER DIESEN KANAL:

Ich bin Axel – psychologischer Berater und vorher selbst achteinhalb Jahre in der Angststörung gewesen. Ich spreche über das, was wirklich hilft – nicht als Theorie, sondern aus eigener Erfahrung und aus hunderten Gesprächen mit Menschen, die genauso feststecken wie ich es tat.

Alle Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei akuten Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt oder Therapeuten.

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00:00:00: Mit wem sprichst du über deine Situation, über deine Ängste, deine Panikattacken oder deine Erschöpfung? In dieser Folge verrate ich dir zwei Gründe, weshalb du mit deinem Umfeld ruhig offen sein solltest. Sei gespannt.

00:00:35: Wenn du unter einer Angst- oder Panikstörung leidest oder eine depressive Episode hast, Burnout, eine permanente Erschöpfung, dann beantworte doch mal die Frage für dich selbst: Wer weiß davon? Bist du der Einzige oder hast du dein Umfeld, zumindest einige Personen oder eine Person, eingeweiht?

00:01:11: Und versteh mich nicht falsch, es geht nicht darum, dass ich dir jetzt empfehlen möchte, Gott und die Welt darin einzuweihen, was du gerade durchmachst. Darum geht’s nicht. Aber falls du vielleicht wirklich so ein bisschen in deinem stillen Kämmerlein bist, dich zurückgezogen hast, dich einfach von der gesamten Welt abschottest – das ist ja auch völlig in Ordnung. Aber du kommst ja zwangsläufig mit ein paar Menschen in Berührung in deinem Alltag, davon gehe ich mal aus, und dann ist es halt die Frage: Wem hast du denn davon erzählt? Ich habe immer wieder Klienten in meiner Beratung oder auch in der Toolbox, die sagen mir: „Das ist so, so schwierig, ich weiß ja noch keiner von. Ich muss da immer gute Miene zum bösen Spiel machen, aber ich fühl mich einfach nicht gut und mach trotzdem alles mit, weil einfach keiner weiß, dass ich gerade eine Angststörung hab.“ Ja, und deswegen ist es halt schon wichtig, dass man überlegt: Was kann man eigentlich damit falsch machen, wenn man jemandem davon erzählt?

00:02:28: Und hier geht’s in erster Linie darum, dass die Menschen in deiner direkten Umgebung – also dein Partner oder deine Familie, die mit dir im Haus wohnt, vielleicht auch dein vertrauter Kollege, deine beste Freundin oder vielleicht auch dein Chef – durchaus davon etwas erfahren könnten. Und dass damit zwei ganz, ganz wichtige Vorteile auch verbunden sind. Und noch mal: Es ist natürlich deine freie Entscheidung. Du kannst auch für dich sagen, du möchtest es für dich behalten, und das ist vollkommen okay. Ich möchte nur aus meiner Erfahrung, aus meiner Sicht, in dieser Folge dir näherbringen, welche Vorteile es haben könnte, wenn du dich mitteilst.

00:03:17: Apropos individuelle Behandlung oder einfach: Jeder Mensch ist anders. Die Angst-Toolbox, die kennst du ja wahrscheinlich, die ist so aufgebaut – das ist ja das Selbsthilfeprogramm zur Bewältigung einer solchen Krise –, dass wirklich die Individualität, das Unterschiedliche, auch herausgearbeitet wird. Das heißt, es gibt nicht einen Hammer-Werkzeugsatz oder eine Sammlung von Tipps und Maßnahmen, „one size fits all“, also muss für alle passen und alle ticken gleich. Ich weiß genau, dass das so nicht ist. Jeder Mensch ist wirklich individuell und die Toolbox ist auch genau so aufgebaut. Und das unterscheidet sie ganz stark von anderen Ratgebern, die dabei helfen, wie man aus einer Angst- oder Panikstörung rauskommt.

00:04:11: So, nun möchte ich dir aus meiner eigenen Erfahrung – bei mir, aber auch bei meinen Klienten und Teilnehmern der Angst-Toolbox – sagen, welche beiden Gründe dafür sprechen, dass du dich zumindest einer Person mitteilst, aber idealerweise auch anderen Menschen, mit denen du regelmäßig Kontakt hast. Einmal ist es, dass du selber dadurch unglaublich entlastet wirst. Das liegt vor allem daran, dass du dich nicht mehr verstellen brauchst. Momentan, das kennst du vielleicht ja auch, setzt du oft eine Maske auf und möchtest anderen gegenüber der Strahlemann sein. Man fragt sich auch: „Na, wie geht’s?“ Und dann ist die erwartete Antwort: „Alles gut, und bei dir?“ – wenn es überhaupt jemand interessiert.

00:05:01: Ich hatte während meiner Krise tatsächlich irgendwann mal im Urlaub gesagt – das war auch ein Animateur, die kommen ja morgens dann an, Handschlag, und: „Na, wie geht’s?“ Auf Englisch natürlich. Und da hab ich ganz klar gesagt: „Nicht gut, ist nicht mein Tag heute.“ Und da war der komplett überrascht, aber er hat mich dann auch in Ruhe gelassen, und das war auch das, was ich wollte. Aber das war schon – das hat mich ein bisschen Überwindung gekostet, aber so als Beispiel: Warum nicht sagen, dass es einem nicht gut geht?

00:05:39: Diese Maske, diese Fassade, die kostet unglaublich viel Energie und die tut nicht gut, weil du musst dich nach außen verstellen und die Diskrepanz zwischen dem, wie du nach außen wirkst und wie du dich innen fühlst, die ist purer Stress fürs Nervensystem. Das wiederum schafft Raum für echte Entlastung und Authentizität. Das heißt, diese Energie, die du durch das Nicht-Verstellen-Müssen einsparst, die kannst du für dich nutzen, weil Energie momentan sowieso Mangelware ist. Und du brauchst keine Ausreden mehr erfinden, wenn du einfach mal keinen Bock hast, irgendwas zu tun, mit jemandem zu reden, oder du möchtest dich lieber hinlegen, lieber zurückziehen oder nicht auf die Party gehen. Und das ist, das weiß ich sehr gut, äußerst unangenehm, wenn man Nein sagen muss, wenn man eigentlich nett gemeinte Dinge ablehnen möchte. Es ist ja nicht, dass man muss – man möchte, man hat in dem Moment einfach keine Energie dafür.

00:06:47: Und das kann man ja auch partiell machen, dass man sagt: „Ja, ich geh schon mit, ich gehe mit auf die Einladung, auf das Abendessen und auf die Party, weil ich brauch ja auch mal ein bisschen Abwechslung. Ich möchte auch mal rauskommen, möchte nicht den ganzen Tag verkriechen. Aber ich nehme mir heraus, wenn es mir zu viel ist – zu viele Leute, zu viel Lärm, zu viel Trubel – dann ziehe ich mich zurück, dann geh ich irgendwohin, und sei es nur auf die Toilette, und bleib dann zehn Minuten.“ Das ist völlig in Ordnung. Wenn da jemand nachfragt – und wie gesagt, wenn du vorher sagst, dir geht es momentan nicht so gut, du brauchst einfach grad ein bisschen mehr Ruhe für dich – ja, wer soll denn dann sagen: „Du bist aber komisch, das war ungewöhnlich, das hab ich ja noch nie gehört“? Die Leute sind verständnisvoller, als du glaubst. Das ist meine Erfahrung.

00:07:49: Damit kommen wir auch zum zweiten Punkt, weshalb das so wichtig ist, dass man diese schwierige Phase nicht komplett für sich selbst behält. Nach meiner Erfahrung gibt es so viele Menschen, die sich plötzlich öffnen, wenn man mit ihnen darüber spricht, die Verständnis zeigen, wenn man ihnen sagt: „Du, mir geht’s grad nicht so gut.“ Und man muss ja nicht sagen: „Ich stecke in einer tiefen Depression und hab momentan Lust auf gar nichts.“ Das muss ja nicht sein. Es ist ja die Frage, wie man etwas erklärt. Aber viele haben das vielleicht auch mal erlebt, oder? Vielleicht hast du auch den Volltreffer: Der andere fühlt sich grad genauso – gut möglich, hatte ich mal. Und das ist natürlich schon, also das ist in dem Moment sogar fast nett, weil man einfach auf einer ganz anderen Augenhöhe plötzlich miteinander redet.

00:08:48: Ich hatte wirklich immer gesagt, als ich nachts aufwache und Panikattacken habe, und da sagt mir der Gegenüber: „Ja, das hab ich auch gerade, das hab ich auch. Letzte Nacht hatte ich eine Panikattacke.“ Und dann kann man sich über Details unterhalten: Was hast du denn gemacht? Und warum hast du das? Und wie oft hast du das? Also, das ist schon so hilfreich, dann fühlt man sich selber absolut nicht alleine in dem Moment. Und selbst wenn sie die Situation nicht kennen, dann sind sie trotzdem oft dankbar, dass man sich ihnen anvertraut, dass man sich öffnet. Das ist ein Vertrauensbeweis in die eine Richtung, und dann wird der Gesprächspartner bestimmt nicht sagen: „Dass du mir das jetzt erzählt hast, das passt mir eigentlich gar nicht.“ Der ist mit ziemlicher Sicherheit auch plötzlich ganz freundlich in der Gegenleistung und bedankt sich in einer Art und Weise dafür, dass du so ehrlich bist, dass du so offen bist, weil er das vielleicht von dir auch noch gar nicht kannte.

00:09:56: Und das ist einfach auch eine gewisse Stärke, die du zeigst, wenn du über solche Dinge reden kannst. Das ist wirklich eine Stärke. Und genau das ist der Unterschied zu dem, was wir eigentlich verboten bekommen haben. Als ich damals in meiner ersten Episode war, 2012, ich weiß es noch, im Januar hat das angefangen, da hab ich ja doch, ich hab schon meiner Frau davon erzählt, aber ansonsten war ich sehr, sehr vorsichtig. Ich wusste auch erst mal überhaupt nicht, was mich da gerade heimsucht. Aber ich hab das als Schwäche empfunden, was ich da gerade durchmache. Ich hab gedacht, ich selber bin nicht richtig, da ist irgendwas mit mir falsch. Und das kennst du vielleicht auch. Und das hat sich aber komplett gedreht. Ich hab das ja dann wieder erlebt, es kam mir ein paarmal wieder. Du kennst ja vielleicht meine Geschichte. Und irgendwann hab ich mir auch einfach gedacht: „Ich hab das Problem jetzt zwar, aber ich weiß, es ist keine Schwäche. Das erleben viele und das hat ja auch etwas Positives, wenn ich darüber spreche und wenn ich da aktiv mit umgehe.“

00:11:08: Wie gesagt, es geht nicht darum, die ganze Welt zu informieren, wie im Speakers’ Corner in London, dass man sich da hinstellt und allen sagt: „Ich hab da gerade diese Situation.“ Darum geht es nicht. Es geht einfach darum, dass man sich vor den Menschen, die wichtig sind, die man auch viel sieht – im Privatleben oder im Job –, dass man sich denen gegenüber anvertraut und nicht verstellen muss. Das ist wirklich, wirklich wichtig.

00:11:43: Du kannst, wie gesagt, komplett für dich frei entscheiden, wie offen du mit deiner Situation, mit deinen Gefühlen umgehst, und kannst auch zu dem Schluss kommen, du möchtest es für dich behalten, und dann ist das auch absolut in Ordnung. Es muss für dich einfach stimmig sein. Ich habe dir jetzt nur erzählt, wie ich’s machen würde, wenn ich auch wieder in so eine Situation geraten sollte, und wie ich es auch meinen Teilnehmern der Angst-Toolbox ans Herz lege. Weil ich hatte letztes Jahr mit einer Frau Kontakt, die sich für die Toolbox interessiert hat, und ich merkte bei unserem Telefonat, dass sie sehr, sehr leise geredet hat und ihr das sehr unangenehm war. Der Hintergrund war gar nicht, dass sie mit mir nicht wirklich reden wollte oder dass ihr das Gespräch peinlich war, sondern sie wollte nicht gehört werden, dass sie sich Hilfe holt, weil ihr Mann das hätte mitbekommen können. Und im weiteren Verlauf des Gesprächs kam heraus, dass ihr Mann davon nichts weiß, dass sie also diese Situation, diese Krise – in ihrem Fall war es eine Angststörung – wirklich bis dahin komplett für sich behalten hat. Darüber haben wir dann auch gesprochen und ich habe ihr ans Herz gelegt, noch mal drüber nachzudenken, ob das vielleicht ein Weg wäre, mit ihrem Mann in Ruhe mal darüber zu sprechen, um da einfach Spannung rauszunehmen.

00:13:14: Weil dieses Sich-Verstellen, oder im Endeffekt ist es ein bisschen Doppelleben: Ich hab da meine Angst auf der einen Seite, mit der ich auch wirklich viel zu tun hab, die ich auch bewältigen möchte – das ist ja auch nicht mal eben eine Nebenbeschäftigung – und auf der anderen Seite mache ich gute Miene zum bösen Spiel und tue selbst meinem Mann gegenüber so, als wenn nichts wäre. Das ist ein Doppelleben und das ist unglaublich anstrengend. Und soweit ich mich erinnern kann, hat sie dann auch mit ihrem Mann gesprochen. Und das muss, wie gesagt, jeder selber für sich entscheiden.

00:13:58: Und dann gibt es noch die Überlegung: Wie drückst du dich dann aus, wenn du dich jemandem mitteilst, wenn du dein Umfeld oder deine nächste, nahestehende Person einweihst? Und da sind so, sag ich mal, Begriffe, so Katalog-medizinische Begriffe wie Depression, Angststörung, schwierig, meiner Meinung nach. Das muss man auch gar nicht tun, weil das ist ja auch eine Bewertung oder eigentlich eine Diagnose – die weiß man vielleicht in dem Moment ja noch gar nicht. Vielleicht hat der Arzt das auch gesagt, aber oftmals möchte man das ja auch mit seinem Partner ansprechen, wenn es noch relativ früh ist, wenn man gerade bei sich erlebt hat, dass seit ein paar Tagen etwas klemmt.

00:14:43: Und besser ist es, Begriffe – vor allem jetzt im Arbeitsumfeld, also vielleicht auch bei Personen, die einem nicht ganz so nahe stehen – zu verwenden wie Erschöpfung, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Anspannung. Natürlich wird ganz oft auch der Begriff des Burnouts verwendet. Da wissen aber mittlerweile ganz viele, das ist so ein Oberbegriff für entweder eine totale Erschöpfung oder halt eine Erschöpfung mit Depression, und das ist ja anders. Es gibt den Burnout, der auch eher in die ängstliche Richtung geht, mit schlaflosen Nächten, Panikattacken und so weiter. Und dann gibt es natürlich eine Form, wo man alles hat. Also deswegen: Burnout halte ich persönlich für etwas schwierig, und es ist auch eigentlich eine Diagnose. Es ist zwar keine Kategorie Krankheit, es ist ja nur im ICD-Krankheitskatalog, sondern so ein Absatz, der sich mit dem Burnout im Arbeitsumfeld befasst. Es ist keine offizielle Krankheit.

00:15:44: Aber ich möchte einfach, dass, wenn du dich immer mitteilst, dass du eher so über deine Empfindungen sprichst. Also ich hab damals, als ich damit angefangen habe zu beschreiben, wie ich mich fühle, wirklich von meinen Eindrücken, von meinen Erlebnissen gesprochen. Das sind ja dann schon so ein bisschen: „Alles ist so trüb, und ich kann mich nicht konzentrieren, und ich bin erschöpft und lustlos.“ Das sind ja Dinge, die sind völlig in Ordnung, das sind Empfindungen, die kann man immer beschreiben, und die sind auch aussagekräftig für das Gegenüber. Wenn ich jetzt irgendwo hingehe und sage: „Ich hab eine Depression“, dann weiß der eventuell nicht, was ich genau empfinde. Und das ist ja schon schön, dass ich mich so mitteile, dass der andere das auch ein bisschen einschätzen kann mit seinem Wissen.

00:16:32: Und wenn du dieses Thema spannend findest oder für dich als absolut notwendig auch ansiehst, dann schau dir unbedingt mal die Angst-Toolbox an. Da dreht sich im Endeffekt in dem gesamten Programm alles um den gesunden Umgang mit Ängsten, Erschöpfung, innerer Unruhe, Panikattacken – mit dem Ziel, diese zu bewältigen. Und wenn du sie noch nicht kennst, würde ich dir wärmstens empfehlen, dir die NCS Toolbox mal anzuschauen. Du findest Links dazu in den Shownotes in diesem Podcast.

00:16:59: Und in der nächsten Folge schauen wir uns ein Thema an, das ist bei mir der absolute Dauerbrenner. Ich werde immer wieder gefragt: „Axel, soll ich mich ablenken oder nicht?“ Also das Thema Ablenkung steht hier im Vordergrund. Und wenn du schon ein bisschen in der Angstthematik drin bist, dann hast du wahrscheinlich deine eigene Meinung. Ablenken wird heiß diskutiert: Die einen sagen, auf gar keinen Fall, geh durch die Angst durch und erlebe sie pur. Die anderen sagen, du musst ja zwischendurch auch mal auf andere Gedanken kommen. Ich erzähle dir, welche gute Erfahrung ich mit einer Kombination von beiden Wegen gemacht habe. Ablenkung sollten wir uns auf jeden Fall genauestens anschauen, und darum geht’s in der nächsten Episode. Ich freue mich, wenn du wieder dabei bist.

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