#017 Angst: Muss ich sie immer fühlen – oder darf ich mich ablenken?

Shownotes

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Ablenkung bei Angststörung, Panikattacken und innerer Unruhe: In dieser Folge erfährst du, ob Ablenkung wirklich hilft, wie du sie gezielt einsetzen kannst und warum der goldene Mittelweg oft der beste ist. Ich teile meine persönlichen Erfahrungen, zeige dir fünf konkrete Schritte im Umgang mit Angst und erkläre, wie du trotz Symptomen wieder mehr Lebensfreude findest. Du bekommst ehrliche Einblicke, praktische Tipps und eine motivierende Metapher, die dir Mut macht, neue Wege auszuprobieren. Höre rein, wenn du lernen willst, wie du mit Angst und Burnout besser umgehen kannst – ohne dich selbst zu verlieren.

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ÜBER DIESEN KANAL:

Ich bin Axel – psychologischer Berater und vorher selbst achteinhalb Jahre in der Angststörung gewesen. Ich spreche über das, was wirklich hilft – nicht als Theorie, sondern aus eigener Erfahrung und aus hunderten Gesprächen mit Menschen, die genauso feststecken wie ich es tat.

Alle Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei akuten Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt oder Therapeuten.

Transkript anzeigen

00:00:00: Ablenken, ja oder? Nein, das ist gerade bei Angststörung ein heiß diskutiertes Thema. Da ich das in der Toolbox immer wieder gefragt werde, möchte ich den meiner Meinung nach goldenen Weg verraten. Hallo, hier ist Axel. In diesem Podcast teile ich meine Erfahrung mit Angststörung, Panikattacken und Burnout. Ich verstehe, was du durchmachst. Du bist nicht allein. Gemeinsam finden wir deinen Weg zu innerer Freiheit und mehr Lebensfreude. Denk immer daran: Dieser Podcast ersetzt keine professionelle Therapie oder Beratung durch einen Arzt. Wende dich also bei Bedarf an den Arzt oder Therapeuten deines Vertrauens.

00:01:23: Einerseits behaupten manche Experten, Ablenkung gehe überhaupt gar nicht. Wenn man Angst und Panik empfindet, dann muss man diese auch wirklich zulassen und komplett mit allen Sinnen durch sie hindurchgehen. Ablenkung wäre Gift und mache das Ganze nur noch schlimmer. Andere Experten sagen wiederum: Ja, ablenken sollte man irgendwo schon. Man kann ja nicht den ganzen Tag in der Angst hängen und man muss ja auch mal auf andere Gedanken kommen und wieder Interesse für andere Sachen entwickeln.

00:02:46: Ich habe meine eigene Erfahrung mit diesem diskutierten Thema der Ablenkung gemacht, nachdem ich auch ganz viel ausprobiert habe, und möchte dir in dieser Episode meinen goldenen Weg erzählen. Das tue ich anhand von fünf Punkten. Erstens: Ablenkung kann kurzfristig entlasten, aber langfristig ist es wichtig, sich den eigenen Gefühlen zu stellen, sonst bleibt die Angst im Hintergrund bestehen. Das heißt, ich muss mich schon mit der Angst befassen und auseinandersetzen. Weglaufen geht nicht, das ist klar.

00:04:09: Der zweite Punkt ist schon ein bisschen weicher: Sich bewusst Zeit für die Angst nehmen und sie dann auch auszuhalten, ist ein ganz wichtiger Punkt der Angstbewältigung. Das hilft, die Macht der Angst zu verringern. Aber niemand muss den ganzen Tag in seiner Angst und Panik baden und stundenlang dadurchgehen. Es ist ja bei einer Angststörung schon oft so, dass man sehr lange am Stück Symptome erlebt. Das kennst du ja vielleicht auch. Dann muss es meiner Meinung nach ausdrücklich nicht sein, permanent diese Symptome immer nur zu fühlen und durch die Angst hindurchzumüssen.

00:05:32: Jetzt zu dem Punkt der Ablenkung: Gezielte andere Maßnahmen, also gezieltes Ablenken wie neue Interessen, Bewegung, soziale Kontakte – ganz wichtig – können neue Energie geben und zeigen, dass das Leben trotz Angst weitergeht. Das ist auch ein wichtiges Zeichen an das eigene Nervensystem, dass man ihm sagt: Ich kann trotz Angst das Leben leben, du hältst mich nicht auf. Auch das verringert wiederum die Macht der Angst.

00:06:55: Wenn dir übrigens Ablenken und dich auf andere Dinge im Leben zu konzentrieren schwerfällt vor lauter Symptomen – das kann sein, und das könnte ich auch gut verstehen – dann schau dir mal bitte die Angst-Toolbox an. Da gibt es nämlich eine konkrete Hilfestellung, wie du deine Symptome für eine gewisse Zeit komplett in den Hintergrund drängen kannst – mit ein wenig Übung. Das ist nicht einfach, aber mit ein bisschen Übung kannst du das auch.

00:08:18: Der vierte Punkt ist schon fast der wichtigste: Der goldene Mittelweg ist es, weder die Angst zu verdrängen, noch sie komplett über dein Leben bestimmen zu lassen. Es geht darum, flexibel zu entscheiden, was dir gerade guttut. Das ist eine Eigenschaft, die kannst du lernen, wenn es dir noch schwerfällt. Entscheide dich je nach Situation, was du jetzt gerade tun möchtest. Oft ist es ja auch so, dass Betroffene überhaupt nicht ablenken wollen, weil sie keine Lust haben, Sachen zu unternehmen. Dann ist es eine wunderbare Sache, sich mit diesen Symptomen, die man erlebt, auseinanderzusetzen, und zwar in einer sehr achtsamen Art und Weise. Achtsam bedeutet ja, sie in dem Moment neutral zu erleben, ohne sie zu bewerten – und das kann man.

00:09:41: Angst-Symptome sind unangenehm, aber vor allem unangenehm sind die Gedanken. Die Gedanken kann man durch etwas Übung versuchen zu entkräften, indem man sie nicht so ernst nimmt. Darüber habe ich auch schon eine Episode gemacht. Die körperlichen Symptome kann man ruhig fühlen. Die sind in der Regel auch gar nicht so schlimm, wenn man die Gedanken mal nicht so ernst nimmt, die damit verbunden sind. Die Symptome sind ja oft im Rücken, ein Kribbeln, ein Ziehen. Nimm das, was du gerade erlebst – und das ist neutral betrachtet tatsächlich gar nicht so schlimm. Das ist auch eine gute Erfahrung.

00:11:04: Wenn du dann Lust hast, etwas zu unternehmen oder wenn du sagst, es würde dir jetzt mal guttun, rauszukommen – wie gesagt, soziale Kontakte sind so wichtig, auch wenn du sie vielleicht jetzt reduzierst, völlig in Ordnung – aber dann mach’s. Und wenn es darum geht, mal einen drauf zu machen, auf einer Party mit anderen Leuten mal abzufeuern, auch wenn du dich nicht so 100 % fühlst, wenn die Angst mitkommt auf diese Party: Mach es, wenn du Lust darauf hast, mach es, es tut dir gut, glaub es mir. Das ist natürlich auch eine Form der Ablenkung, und das ist okay.

00:12:27: Der fünfte Punkt ist so ein bisschen das Fazit: Mitfühlen. Der Umgang mit sich selbst bedeutet, sowohl die Angst als auch die Freude im Leben zuzulassen. Beides darf nebeneinander existieren. Das gilt jetzt natürlich für die Dauer der Krise. Irgendwann – so der Plan – ist die Angst ja weg, und du bist froh, dass du in der Phase dich nicht komplett zurückgezogen hast, dass du nicht komplett dein eigenes Leben vernachlässigt hast. Wenn du das in der Angst schaffst, dich aufzuraffen und auch mal Dinge zu machen, die entweder getan werden müssen oder die du auch gerne tun möchtest – vielleicht möchtest du ja was am Haus, an der Wohnung, am Garten, am Job, also arbeitstechnisch tun – dann tu es. Es ist alles erlaubt, was du in dem Moment möchtest. Das ist auch ganz wichtig. Sogar die Krankschreibung – da hat sich ja einiges verändert die letzten Jahre. Du musst dich nicht mehr ins Bett legen, und du musst nicht unbedingt, nur weil der Arzt das gesagt hat, zu Hause bleiben. Du kannst auch arbeiten gehen während der Krankschreibung. Die berufliche Wiedereingliederung ist ja auch so eine Idee dahinter. Du kannst ja mit der Krankschreibung langsam wieder in den Job reingehen.

00:13:46: Du hast aber auch tatsächlich – und da bin ich jetzt, ich weiß, das ist ein bisschen auch schwierig, dieses Thema – aber du hast die Möglichkeit, wenn du wegen psychischer Probleme krankgeschrieben bist, trotzdem feiern zu gehen. Es soll natürlich nicht missbraucht werden, auf keinen Fall, da muss ich jetzt auch ein bisschen Moralapostel spielen. Aber wenn es dir doch guttut, dann ist es doch förderlich, im Endeffekt auch für den Arbeitgeber, weil er dich dadurch eventuell früher zurückerhält. Es ist alles erlaubt, was hilft, die Krankheit oder die Krise zu bewältigen, was dir hilft, wieder gesund zu werden. Das ist erlaubt. Wenn du natürlich wegen einer Erkältung oder wegen einer Grippe krankgeschrieben bist, dann solltest du es natürlich nicht, weil es nicht guttut, dann rauszugehen und unnötig deinen Körper zu belasten. Aber bei der Seele ist das was anderes, und da darfst du sehr genau auf deine Bedürfnisse gucken. Überhaupt grundsätzlich, wenn du etwas hast, wenn du krank bist, aber gerade in einer psychischen Krise ist es so wichtig, dass du da noch mal unterscheidest. Da sind Dinge durchaus erlaubt, wo andere sagen würden: Das kannst du doch nicht machen, wenn du krankgeschrieben bist! Ja, doch, das geht. Sprich da gerne mal mit deinem Arzt drüber.

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