#005 Daueranspannung: Warum der Stress allein nicht das Problem ist
Shownotes
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Ich teile meine persönlichen Erfahrungen und zeige dir, wie du mit der “Fass-Metapher” dein Nervensystem besser verstehen kannst. Erfahre, warum kleine Pausen über den Tag verteilt effektiver sind als ein einziger großer Urlaub und wie du diese in deinen Alltag integrieren kannst. Lerne, wie du durch bewusste Regeneration dein Wohlbefinden steigerst und Burnout vorbeugen kannst. Diese Episode ist ein Muss für jeden, der unter Stress und Anspannung leidet und nach praktischen Lösungen sucht.
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ÜBER DIESEN KANAL:
Ich bin Axel – psychologischer Berater und vorher selbst achteinhalb Jahre in der Angststörung gewesen. Ich spreche über das, was wirklich hilft – nicht als Theorie, sondern aus eigener Erfahrung und aus hunderten Gesprächen mit Menschen, die genauso feststecken wie ich es tat.
Alle Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei akuten Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt oder Therapeuten.
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00:00:00: Könnte es sein, dass du auch zu dem Teil gestressten Menschen gehörst, die selbst nicht abschalten können und sich getrieben oder innerlich ständig unruhig fühlen? Damit bist du bei weitem nicht alleine. Das geht ehrlich gesagt fast allen so. Interessanterweise liegt das Phänomen nicht an deinem Stress selbst, es ist fast das Gegenteil.
00:00:27: So warum ist es denn jetzt nicht bloß der Stress, der dein Nervensystem lahm legt oder dein Nervensystem bis aufs Äußerste reizt, so dass du die Beschwerden, die Symptome, auch die negativen Gedanken eigentlich den ganzen Tag über oft hast? Ich möchte es kurz machen: Es ist natürlich auch der Stress, aber es ist vor allem die mangelnde Erholung, die mangelnde Regeneration.
00:00:54: Vielleicht hast du das bei mir in der Angst Toolbox schon mal gesehen. Ich zeige das Bild, die Metapher von dem Fass, und dieses Fass ist das Nervensystem. Manche Menschen haben eher ein kleineres Fass, d.h. die können nicht so viele Eindrücke und so viele Probleme, so viele Aufgaben vielleicht vertragen, was völlig in Ordnung ist. Was aber alle Menschen natürlich irgendwann mal erreichen, ist, dass das Fass voll ist. Und dann ist es wichtig, dieses Fass auch regelmäßig abzubauen, also den Inhalt dieses Fasses immer wieder auf ein erträgliches Niveau zu senken.
00:01:35: Du kannst dir das so vorstellen: Du stehst, wenn du ein gesunder Mensch bist, morgens auf, das Fass ist, ich sag jetzt mal, zur Hälfte gefüllt. Das sind die Stressoren, die du aus den letzten Tagen oder auch aus der etwas längeren Vergangenheit dort noch drin hast, und manche Traumata sind da ja auch drin. Auf jeden Fall ist es so ungefähr halb voll und füllt sich auch im Laufe des Tages. Und ohne dass du zwischendurch regenerierst, spätestens dann mit der nächsten Nacht, würde das Fass natürlich auch nicht mehr weniger gefüllt sein. Es würde immer nach oben weitergehen und schließlich überlaufen, und dieser Überlauf, dann kannst du dir wie so eine Panikattacke oder Nervenzusammenbruch auch vorstellen.
00:02:22: Deswegen ist dieses Bild, diese Metapher von dem Fass eigentlich eine sehr schöne Vorstellung, weil das Nervensystem einfach nur mal wie ein Gefäß mit einem gewissen Fassungsvolumen ist. Dieses Fassungsvolumen darf einfach nicht überschritten werden und sollte auch möglichst nicht ständig komplett ausgeschöpft sein. Doch wenn du an einer Angststörung, an einer generalisierten Angststörung leidest, dann ist das Problem, dass das Fass fast immer voll ist.
00:02:54: So, wie können wir denn jetzt regenerieren? Ein ganz, ganz wichtiger Punkt, weil Stress ist bei allen Menschen da, oder zumindest dass ihr Geist irgendwann müde ist, der Körper sowieso, aber auch vor allem der Geist. Und dann gibt es nur die Möglichkeit durch Regeneration, durch Ruhepausen, durch Erholung, das dann wieder zurückzusetzen, damit man Energie für neue Eindrücke hat.
00:03:22: Fast 99% aller von Burnout und Angststörungen Betroffenen machen es in meinen Augen wirklich falsch. Sie sehen die Regeneration gerade, wenn sie in so einer Phase sind und verkrampft nach Maßnahmen suchen, daraus zu kommen, sehen die Regeneration als eine Pflicht oder einen Programmpunkt, den sie einfach machen müssen, weil es ihnen danach ja besser gehen soll. Es fällt ihnen aber unglaublich schwer, echte Ruhe und echte Entspannung zu erleben, weil dann wiederum andere Symptome aufkommen.
00:03:55: Beispielsweise wenn du dich jetzt mit einer Angst oder einer sehr starken inneren Unruhe hinlegst, dann ist das idealerweise für dich angenehm und du regenerierst. Es kann aber gut sein, dass dann negative Gedanken aufkommen, dass du anfängst zu grübeln, und das führt dazu, dass du deine Pause eventuell nicht so nutzt, wie du sie nutzen solltest, oder dass du sie vielleicht sogar abbrichst und dich versuchst abzulenken, damit die Gedanken irgendwie unter Kontrolle kommen.
00:04:26: Es ist aber ein unglaublich wichtiges Grundbedürfnis, das gibt ja auch die Bedürfnispyramide von Maslow, aber es ist auch einfach logisch bei allen Lebewesen, dass wir regelmäßige Ruhe brauchen, regelmäßige und auch häufige Regeneration. Da reicht nicht der eine Jahresurlaub, da reicht auch nicht der Nachtschlaf aus. Es müssen mehr kleinere Pausen über den Tag verteilt gemacht werden, damit das Nervensystem sich wirklich beruhigt und der naturgemäß entstehende Stress, den jeder Mensch auch irgendwo empfindet, dass der wieder abgebaut wird.
00:05:02: Und das könnte auch ein guter Grund sein, weshalb du im Burnout oder in deiner Angststörung bist, weil du dich einfach zu wenig regeneriert hast. Und das auf Dauer gesehen in unserer Leistungsgesellschaft, das Problem, dass viele Menschen, gerade die, die ihren Jahresurlaub auch gerne aufs neue Jahr verschieben und dann recht stolz am Jahresende sagen: "Ach, ich konnte meinen Urlaub gar nicht gebrauchen. Ich hatte so viel Stress auf der Arbeit. Ich muss das im neuen Jahr dann mitnehmen und bis zum 31. März abfeiern."
00:05:36: So, jetzt ist das aber so, das ist ein Zeichen dafür, dass diese Menschen nicht die Disziplin, die wichtige und natürliche Disziplin besitzen, rechtzeitig Urlaub zu machen. Aber selbst wenn, angenommen, du gehörst auch zu den Menschen, die irgendwo vielleicht eine teure Urlaubsreise mit der Familie buchen und ansonsten Vollgas geben, und das ist tatsächlich ein Problem. Dafür ist unser Organismus nicht gemacht, dafür ist kein Lebewesen gemacht.
00:06:07: Du gibst vielleicht wirklich durchgehend alles für dein Projekt, für deine Arbeit, für alles, was dich so im Alltag fordert, immer mit dem Ausblick auf den Urlaub im Juli. Und wenn der auch noch ein halbes Jahr hin ist, er ist ja schon mal gebucht, und bis dahin kannst du ja alles geben, also 100% mit Erwartungshaltung, dass du ab Juli, sobald du den Flieger betrittst oder das Auto, oder wie auch immer du auf die grüne Insel kommst, endlich erholen kannst.
00:06:37: Das ist natürlich jetzt ein kleines bisschen schwarz-weiß gedacht von mir, völlig klar, aber du verstehst, was ich damit verdeutlichen möchte. Dieses von 100 auf null, dieses von Stress auf Kommando abschalten, das funktioniert nicht. Und so ist es meistens so, ich kenne das selber auch aus der Vergangenheit, dass im Urlaub selber eine große, starke innere Unruhe entsteht, wenn ich dann versuche mich auszuruhen. Und dieses Versuchen sich auszuruhen ist im Urlaub viel mehr mit Druck verbunden als zu Hause, weil das Ganze ist ja teuer. Man hat sich monatelang darauf gefreut, und es wird ja auch irgendwie von einem erwartet, wenn man im Urlaub ist, und man möchte ja auch. Es klappt aber nicht, und deswegen wird die Erholung im Urlaub dann auch zu einem Stressfaktor, und da brauche ich dir ja nicht zu sagen, dass das dann Gift fürs Nervensystem ist.
00:07:32: Aber gehen wir noch mal zurück von der Jahresplanung mit dem Jahresurlaub zu deinem Alltag. Jetzt nimm doch mal bitte deinen Tag und sei mal ganz ehrlich zu dir selbst: Wie sehr spielen Begriffe wie effektiv sein, möglichst viel schaffen, keine Zeit haben und Multitasking in deinem Tag eine Rolle? Und dann nimm mal die kleinen Pausen, die du ja naturgemäß über den Tag verteilt hast oder haben könntest. Du gehst immer mal auf Klo, nehme ich an, du stehst doch schon mal in der Warteschlange oder wartest auf den Bus oder an der roten Ampel. Was tust du denn in diesen kleinen Pausen?
00:08:12: Sei mal ganz ehrlich zu dir und überleg mal, ob das wirklich sinnvoll ist, unbedingt diese Zwangspausen, diese kleinen Momente auch noch damit zu füllen, indem man das Handy rausholt. Und einfach nur, wenn man mit dieser freien Zeit, die eigentlich gut wäre, nichts anfangen kann, dann auch noch eine mentale Last, eine mentale Belastung seinem Kopf gibt. Ist es wirklich sinnvoll und notwendig? Du wirst natürlich sagen nein, aber wir alle machen's.
00:08:42: Dein Kopf hat also keine Pausen, und das dürfen wir auch wieder lernen. Nicht nur der Jahresurlaub ist wichtig, sondern auch der gute Schlaf jede Nacht, logisch, das weiß jeder, aber auch kleinere Pausen über den Tag verteilt. Du hast vielleicht auch schon mal gehört: Mehrere kleine Pausen sind effektiver als eine große Pause, und das stimmt, das ist wirklich, ich kann's bestätigen.
00:09:08: Ich habe mir, obwohl ich das auch noch nicht 100% ideal mache, und es auch die Frage ist, ob das sein muss. Aber ich mache auch ganz gerne noch Multitasking zwischendurch und versuche es auch abzubauen. Aber was ich durchaus mache: Wenn ich mir eine Tasse Kaffee oder einen Espresso mache, manchmal bin ich auch dabei komplett alleine, jetzt zum Beispiel auch im Home-Office. Dann mache ich währenddessen, auch wenn es nur eine Minute ist, nichts anderes, sondern genieße den Moment. Das sind kleine Momente, die kosten keine Zeit, und sie sind im Endeffekt wirklich goldwert. Das sind Mini-Erholungen, die einem ganz viel geben.
00:09:47: Und wenn man die Sache jetzt mal jede Stunde einmal macht, dann ist man mittags nicht schon komplett fix und fertig, als wenn Feierabend wäre. Und wenn du dir dieses Fass dann bildlich vorstellst, dann kannst du auch sehen, wie der Stresslevel durch so Minipausen zum ganz kleinen Stück zurückgeht, auch wenn du es nicht direkt fühlst. Aber allein die Vorstellung ist schon gut. Deswegen: kleine Pausen über den Tag verteilt und dann idealerweise auch mehrere kleine Urlaube, wenn möglich über das Jahr verteilt, besser als nur ein einziger und zwischendurch durchrasen, 100% und mehr geben und nur auf den Urlaub blicken zum endlich Erholen. Das funktioniert nicht.
00:10:28: Und bitte nimm auch deinen Jahresurlaub nach Möglichkeit im aktuellen Jahr. Das möchte der Arbeitgeber so, und es ist auch für dich richtig, weil dafür ist der Erholungsurlaub, so heißt der ja da. Ich hoffe, ich konnte dir damit einen kleinen Impuls geben, wie wichtig die Regeneration ist. Natürlich weiß ich, das ist für dich nichts Neues, klar, aber es muss einfach auch noch mal gesagt werden, weil wir in unserer Leistungsgesellschaft hier in den Industrieländern, uns geht's ja scheinbar gut, aber wir sind alle oder viele nicht besonders glücklich und haben diese psychischen Krisen zwischendurch. Warum? Einfach weil wir viel zu viel tun und zu wenig regenerieren. Das ist wirklich so.
00:11:12: Gut, damit aber genug für diese Episode, und in der nächsten Folge möchte ich dir sechs Dinge erzählen, die ich heute anders mache als vor und während meiner Angststörung. Sei gespannt. Ich freu mich, wenn du wieder dabei bist.
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