#008 Warum dauern Angststörung und Burnout so lange?
Shownotes
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In dieser Episode erkläre ich dir zwei zentrale Gründe, die den Heilungsprozess beeinflussen. Du erfährst, warum deine Psyche mehr Zeit braucht als dein Körper und wie dein eigenes Verhalten unbewusst den Prozess verlängern kann. Lass uns gemeinsam herausfinden, was du tun kannst, um deinen Weg zur Heilung zu unterstützen.
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ÜBER DIESEN KANAL:
Ich bin Axel – psychologischer Berater und vorher selbst achteinhalb Jahre in der Angststörung gewesen. Ich spreche über das, was wirklich hilft – nicht als Theorie, sondern aus eigener Erfahrung und aus hunderten Gesprächen mit Menschen, die genauso feststecken wie ich es tat.
Alle Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei akuten Beschwerden wende dich bitte an einen Arzt oder Therapeuten.
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00:00:00: Warum dauern Angststörungen und Burnout manchmal so lange? Ich musste das selbst feststellen – damals. In dieser Folge verrate ich dir die zwei Gründe, weshalb das so ist. Warum ist denn nun mal eine psychische Krise so lang? Monate, in wenigen Fällen sogar jahrelang? Ja, sie geht vorbei, aber man glaubt es nicht, wenn man mittendrin steckt. Und ich möchte dir erklären, warum das so ist.
00:01:05: Der erste Punkt ist die Erwartungshaltung. Du weißt ja: Wenn du eine Erkältung hast oder einen Schnupfen – zwei Wochen. Man sagt: Mit Medikamenten oder mit Arzt zwei Wochen, ohne Medikamente 14 Tage. Da gibt’s so einen Spruch. Es ist von einer relativ kurzen Zeit die Rede. Manche sind auch nach drei Tagen wieder gesund. Das ist bei einer Erkältung, bei einem Beinbruch oder bei irgendwas anderem Körperlichen oft schnell der Fall.
00:02:03: Wenn du das erste Mal etwas Psychisches hast – was ja auch jeder Mensch mal hat im Leben – dann wunderst du dich, dass das auch schon mal länger dauern kann. Und du verstehst nicht, warum. Du möchtest das ja auch gerne mit deinen logischen Möglichkeiten – vielleicht sogar mit Medikamenten oder was auch immer – beschleunigen und hoffst, dass nach wenigen Wochen oder Monaten alles wieder vorbei ist.
00:02:57: Grundsätzlich ist es erst mal wichtig zu wissen, dass die Psyche länger braucht zu genesen. Das ist ein Fakt – länger als ein gebrochenes Bein. Und das hat ja auch einen guten Grund. Jetzt überleg mal: Du fährst Ski, das Bein ist noch komplett heil, und durch eine ungeschickte Bewegung oder eine kurze Unachtsamkeit fällst du um – das Bein gebrochen. Das heißt, du hast doch gar keine lange Vorgeschichte. Das Bein ist schnell gebrochen und relativ schnell wieder geheilt.
00:03:47: Ich weiß, es handelt sich ja auch um mehrere Wochen, aber das ist im Gegensatz zum Heilungsprozess unserer Psyche keine Zeit. Wenn du allerdings in einer Angststörung oder auch in einer depressiven Episode steckst, dann ist ganz sicher, dass das nicht von jetzt auf gleich entstanden ist. Deine Psyche ist mit hoher Sicherheit über längere Zeit strapaziert worden.
00:04:33: Deshalb bist du ja auch in dieser Problematik oder in diesem Burnout. Das Nervensystem ist zwar sehr widerstandsfähig, aber irgendwann ist es auch überlastet und zeigt dann diese psychischen Symptome – wahrscheinlich etwas, in dem du jetzt auch steckst, wenn du diese Folge hörst. Und das Nervensystem ist natürlich träge im Genesen.
00:05:11: Es braucht viel länger als ein Knochen, der wieder zusammenwächst, oder Bakterien, die aus dem Körper verschwinden, damit man körperlich wieder heilt. Hier sprechen wir bei psychischen Störungen oder Krankheiten eher von Monaten als von Tagen oder Wochen. Und das ist erst mal wichtig zu verstehen: Es ist nun mal nicht nach zwei Wochen vorbei.
00:05:50: Vielleicht hast du das ja auch schon mal erlebt: Wenn du zum Arzt gehst und sagst ihm, dass du Erschöpfungssymptome hast oder vielleicht depressive Stimmung oder Panikattacken, dann schreibt dich der Arzt nicht für zwei Tage krank, sondern wahrscheinlich für zwei Wochen. Und er sagt gleich: Wenn es nicht besser wird, verlängert er noch mal um weitere zwei Wochen.
00:06:26: Nicht umsonst gibt es eine Wiedereingliederung nach sechs Wochen Krankheit – das ist so ein typischer Wert, wenn es wirklich schnell geht. In der Regel braucht es aber noch länger zu genesen bei Burnout oder Ängsten.
00:06:46: Stell dir mal folgende Metapher vor: Du hast im Garten eine kleine Feuerschale, in der du ein Feuer entzündest. Dieses Feuer würde eine Zeit lang brennen – und das steht dafür, dass der ganze Ballast in deiner Seele durch diesen Vorgang abgebaut wird.
00:07:10: Jetzt hast du theoretisch die Möglichkeit abzuwarten, bis dieses Feuer von selbst ausgeht. In deinem Seelenleben wären das einige Wochen geduldigen Abwartens. Jetzt sei ehrlich: Ist es so, dass du diesen Brennvorgang – also diese unangenehmen Gefühle und schlimmen negativen Gedanken – einfach hinnimmst? Dass du sagst: „Ja, die sind jetzt da“?
00:07:47: Im Übrigen wäre das der richtige Weg. Aber ich kann so gut verstehen, dass du sie einfach weg haben möchtest – eben weil sie so unangenehm und unwillkommen sind. Das heißt, du wartest nicht einfach geduldig ab, sondern möchtest deine Heilung beschleunigen.
00:08:12: Das bringt uns zum zweiten Punkt: Es ist intuitiv nachvollziehbar, aber kontraproduktiv, dass du diese Symptome weg haben möchtest und sie nicht einfach da sein lässt.
00:08:30: Jetzt fragst du dich vielleicht: Wie kann ich denn etwas über Wochen da sein lassen, was ich absolut nicht ausstehen kann? Was mir das Leben zur Hölle macht und mich unfähig macht, meinen Alltag und meine Arbeit zu verrichten? Natürlich ist es absolut verständlich, dass du es weg haben möchtest.
00:09:02: Aber ich hatte das in einer Episode schon mal erwähnt: Tiere haben diesen Stress nicht in dem Maße wie Menschen. Sie warten wirklich ab, bis ein Problem weg ist – und das kann auch schon länger dauern.
00:09:27: Menschen haben das jedoch nicht gelernt und versuchen daher oft die Heilung zu beschleunigen. Wir haben Angstsymptome – ich weiß sehr gut aus eigener Erfahrung wie sich das anfühlt –, und wir wollen sie weg haben, weil sie extrem unangenehm sind.
00:09:56: Egal ob negative Gedanken oder Benommenheit oder körperliche Symptome – was auch immer –, es ist natürlich alles nicht schön. Und es dauert für uns schon lange genug an einem einzigen Tag an; wenn es dann immer wiederkehrt erst recht.
00:10:20: Dieser innere Widerstand allein löst Stress aus – und Stress bedeutet nichts anderes als Angst. Das heißt also zurück zur Metapher mit dem Feuer im Garten:
00:10:36: Wir gießen Öl ins Feuer! Anstatt dass das Feuer von selbst langsam erlischt, gießen wir neuen Brennstoff hinein in Form von Stress und Widerstand gegen die Symptome.
00:11:02: Dadurch brennt dieses Feuer paradoxerweise länger und intensiver – zusätzlich verstärken wir die Symptome noch weiter! Das führt oft dazu, dass wir aus einem angespannten Nervensystem heraus durch Grübeln und Katastrophisieren sogar Panikattacken bekommen.
00:11:38: Eine Panikattacke ist eines der stärksten Gefühle überhaupt – niemand erlebt sie gerne absichtlich! Aber wir erzeugen sie oft selbst durch unsere Denkweise und unser Verhalten.
00:12:03: Würden wir einfach abwarten können (was viele Menschen leider verlernt haben), würden wir diese Panikattacken gar nicht bekommen. Bis zur nächsten Folge!
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